Nach rund 40 Jahren endet eine Ära bei der Feuerwehr Raitenhaslach: Das Löschgruppenfahrzeug 49/1 wurde außer Dienst gestellt. Über Jahrzehnte war das Fahrzeug ein zuverlässiger Begleiter der Feuerwehr und hat dabei unzählige Einsätze, Übungen und besondere Ereignisse miterlebt.
Die Beschaffung des Fahrzeugs wurde bereits 1982 angestoßen. Damals wurde intensiv darüber beraten, welches Fahrzeug für die Feuerwehr Raitenhaslach das richtige sei. Zur Auswahl standen unter anderem ein Unimog von Mercedes-Benz sowie ein Allradfahrzeug von Magirus. Die Entscheidung fiel schließlich auf das Löschgruppenfahrzeug 8 (LF 8) von Magirus. Das Fahrzeug bietet Platz für 9 Kameradinnen und Kameraden und hat eine fest eingebaute Feuerlöschkreiselpumpe an Bord.
Der Vorgänger des LF 8 war ein kleineres Mercedes-Löschfahrzeug, das zu diesem Zeitpunkt bereits 22 Jahre im Dienst stand.
Neben der besseren Geländegängigkeit des neuen Fahrzeugs wurden durch neue Ausrüstung wie einem Stromerzeuger die Einsatzmöglichkeiten deutlich erweitert.
Am 23. November 1985 war es schließlich soweit: Das neue LF 8 wurde offiziell übergeben und im Rahmen einer Feier im Feuerwehrhaus, das für das neue Fahrzeug umgebaut wurde, eingeweiht. Die Anschaffungskosten beliefen sich auf rund 200.000 DM.
In den ersten Jahren war das LF 8 das einzige Fahrzeug der Feuerwehr. Der ursprüngliche Funkrufname lautete Florian Raitenhaslach 43/1. Ab 1992 ergänzte ein Mehrzweckfahrzeug den Fuhrpark der Feuerwehr.
Mit der Beschaffung des Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeugs (HLF) im Jahr 2013 änderte sich die Rolle des LF 8. Die Atemschutzgeräte wurden auf das neue HLF verlagert und das LF 8 erhielt den Funkrufnamen Florian Raitenhaslach 49/1.
Trotzdem blieb das Fahrzeug weiterhin ein wichtiger Bestandteil der Raitenhaslacher Wehr. Aufgrund der hohen Mannschaftsstärke der Feuerwehr, der guten Wendigkeit und insbesondere der hervorragenden Geländegängigkeit des LF 8 blieb es als zweitausrückendes Fahrzeug in Raitenhaslach.
Obwohl das LF 8 bereits Mitte der 1980er-Jahre gebaut wurde, blieb es über die Jahrzehnte keineswegs unverändert. Viele Ausrüstungsgegenstände wurden erneuert oder ergänzt – meistens durch Eigenleistungen der Feuerwehr.
Ein wichtiger Umbau erfolgte 2001, als zwei der vier Atemschutzgeräte vom Geräteraum in den Mannschaftsraum verlegt wurden. Zuvor konnten sich die Atemschutzgeräteträger erst nach Ankunft an der Einsatzstelle ausrüsten. Durch den Umbau war es nun möglich, bereits während der Anfahrt Atemschutz anzulegen, was einen erheblichen Zeitgewinn bei Brandeinsätzen brachte.
Ebenfalls 2001 wurde ein Hochdrucklöschgerät mit 150-Liter-Wassertank auf dem Fahrzeug untergebracht. Dadurch konnte erstmals Löschwasser direkt mitgeführt und eine Brandbekämpfung unabhängig von einer gesicherten Wasserversorgung begonnen werden. Die Hochdrucktechnik ermöglichte dabei eine hohe Löschwirkung mit vergleichsweise wenig Wasser.
Auch die Tragkraftspritze (TS) wurde im Laufe der Jahre modernisiert. 1996 wurde eine neue TS mit Elektrostarter beschafft. Das bis dahin notwendige Ankurbeln des Motors entfiel damit. Im Jahr 2005 wurde die TS durch eine Eigenkonstruktion mit abnehmbaren Rädern versehen. Dadurch konnte sie künftig von einer Person gefahren werden, anstatt von mehreren Feuerwehrleuten getragen werden zu müssen. Im Jahr 2014 wurde die Feuerwehr aufgrund dieser Konstruktion mit dem Innovationspreis „IF Star“ ausgezeichnet.
Für eine bessere Ausleuchtung der Einsatzstellen wurde im Jahr 2000 in Eigenleistung ein Lichtmast mit zwei 1.000-Watt-Halogenstrahlern auf das Fahrzeugdach aufgebaut. Die Stromversorgung erfolgte über den Stromerzeuger des Fahrzeugs. 2005 wurde dieser Stromerzeuger durch ein leistungsstärkeres Modell ersetzt. Eine Rückfahrkamera folgte im Jahr 2008.
Auch beim Fahrzeuggewicht gab es Veränderungen. Ursprünglich durfte das LF 8 mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 7,5 Tonnen noch mit dem damaligen Pkw-Führerschein gefahren werden. Aufgrund zusätzlicher Einbauten musste das Fahrzeug zwischenzeitlich auf 8 Tonnen aufgelastet werden, wodurch für die Maschinisten ein Lkw-Führerschein erforderlich wurde.
Nicht immer lief alles problemlos. Nach einem Hochwassereinsatz im Jahr 2010 erlitt das Fahrzeug einen Motorschaden und war mehrere Wochen nicht einsatzbereit. Zwischenzeitlich war unklar, ob der Schaden repariert werden könne.
Damit die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr Raitenhaslach trotzdem gewährleistet blieb, stellte die Feuerwehr Burghausen vorübergehend ein LF 8 zur Verfügung, das in Raitenhaslach stationiert wurde. Glücklicherweise konnte das Fahrzeug nach der Reparatur wieder in den Einsatzdienst zurückkehren.
Durch wiederkehrende Undichtigkeiten und den altersbedingt zunehmenden Wartungsaufwand war nun die Beschaffung eines neuen Fahrzeugs erforderlich.
In den rund vier Jahrzehnten Dienstzeit war das LF 8 bei unzähligen Einsätzen dabei.
Eine besondere Rolle spielte das Fahrzeug immer wieder bei Hochwasserlagen. Neben zahlreichen Einsätzen im eigenen Einsatzgebiet war das LF 8 auch überörtlich im Einsatz – unter anderem 2016 beim Hochwasser in Simbach, bei dem das Fahrzeug drei Tage lang wertvolle Dienste geleistet hat.
Was ursprünglich für eine geplante Dienstzeit von rund 20 Jahren angeschafft wurde, blieb am Ende mehr als doppelt so lange im Einsatz. Das LF 8 wurde über die Jahrzehnte immer wieder an neue Anforderungen angepasst und durch zahlreiche Eigenleistungen modernisiert.
Mit der Außerdienststellung verschwindet nicht nur ein Einsatzfahrzeug aus dem Fuhrpark, sondern auch ein Stück Raitenhaslacher Feuerwehrgeschichte.
Viele Kameradinnen und Kameraden haben mit diesem Fahrzeug ihre ersten Einsätze erlebt, Übungen absolviert und unzählige Stunden im Feuerwehrdienst verbracht. Das LF 8 war dabei weit mehr als nur ein Fahrzeug – es war über Jahrzehnte ein fester Bestandteil der Feuerwehr Raitenhaslach.
Fotos: Feuerwehr Raitenhaslach












